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Herzsutra:

 Das Herz-Sutra ist in allen Zendos (Meditationshalle) und Zen-Tempeln bekannt. Es wird bei der allmorgendlichen Zeremonie sowie bei den meisten feierlichen Anlässen rezitiert. Doch auch in anderen buddhistischen Schulen hat es grosse Bedeutung, denn es enthält die Essenz von Buddhas Lehre in konzentrierter Form. Sein Inhalt wurde in viele Sprachen übersetzt. Meist wird die sino-japanische Form rezitiert. Dieser kurze Text ist Teil einer umfangreichen Sammlung von Sutras, die den Titel Prajnaparamita-Sutra trägt. Alle Sutras dieser Sammlung haben die Erweckung der höchsten Weisheit und die erleuchtete Sicht des Buddha zum Thema. Der Name Herz-Sutra leitet sich aus dem Sanskrit–Titel des Sutra ab, der übersetzt so lauten könnte: „Das wesentliche (essentielle Herz ) Sutra der grenzenlosen Weisheit, die zum anderen Ufer führt“.

 Bodhisattva Avalokita weilte tief im Strom vollkommenen Verstehens. Sie erhellte den Prozess, der zur Illusion einer abgeschlossenen Persönlichkeit führt. Dessen Leerheit erkennend überwand sie alles Leiden.

Ein Bodhisattva ist ein Wesen, das nach der Buddhaschaft strebt und zwar nicht nur aus eigenem Interesse, sondern zum Wohle aller Wesen. Sein Handeln ist bestimmt durch Erbarmen und Mitgefühl mit allen Wesen, wobei das Mitgefühl aus tiefer Einsicht und Weisheit entspringt. Avalokita ist die weibliche Form des Bodhisattva Avalokiteshvara, dessen Denken, Reden und Handeln von Weisheit und Mitgefühl geleitet wird.

 Avalokita ist tief in die Natur des Lebens und aller Phänomene eingedrungen, sie versteht, dass alles aus verschiedenen Bedingungen zusammengesetzt ist, dass auch diese Bedingungen wiederum aus anderen Bestandteilen bestehen, und dass sich in all diesen Bestandteilen kein substantieller Kern finden lässt, der unabhängig von anderen Bedingungen existiert. Dem entsprechend gibt es auch keine abgeschlossene Persönlichkeit, denn auch das Ich besteht aus verschiedenen Erfahrungen, Gedanken, Gefühlen und Bestandteilen, mit denen wir uns identifizieren, in denen aber letztendlich kein aus sich selbst heraus bestehender Kern innewohnt. Da Avalokita das Konzept einer abgeschlossenen Persönlichkeit als wesenlos, als leer erkennt, gibt es kein Gefäss mehr, das das Leiden aufnehmen kann. Aus der Weisheit des vollkommenen Verstehen, daß die Ich-Zentrierung nur konstruiert und die Trennung in Ich und Andere nur künstlich ist, entsteht tiefes Mitgefühl mit allen Wesen.

 Höre, Shariputra, Form ist Leerheit, Leerheit ist Form, Form ist nichts anderes als Leerheit, Leerheit ist nichts anderes als Form.

Shariputra war einer der Hauptschüler des historischen Buddha. Er war sehr intelligent. Hier wendet sich der Buddha, vertreten durch Avalokita, an die menschliche Intelligenz und Erkenntnisfähigkeit, die durch Shariputra vertreten wird. Alles, was wir durch die Sinne (Augen, Ohr, Zunge, Nase, Körper und Denken) wahrnehmen können, wird hier als Form zusammengefasst.

Avalokita wendet sich nun an Shariputra und sagt ihm, bitte verstehe, alles was Form hat, besteht nicht aus sich selbst heraus, sondern ist zusammengesetzt und bedingt, all dies ist leer von einem aus sich selbst heraus bestehenden Kern oder Selbst. Gleichzeitig drückt sich diese Leerheit, dieses Potential aller Möglichkeiten, in der Vielfalt der Formen aus (Leerheit ist Form). Ohne diese Leerheit, gibt es keine Entwicklung, keine Befreiung. Der buddhistische Philosoph und Weise Nagarjuna (2.Jh u.Z.) drückt dies so aus: „ ohne auf Konventionen zurückzugreifen, kann das Absolute nicht enthüllt werden.“

Genauso sind Empfindungen, Wahrnehmungen, geistige Formkräfte und Bewusstsein leer von einem abgetrennten Selbst.

Auch all das, was unsere menschliche Persönlichkeit ausmacht (Form - Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Denken und Bewusstsein), besteht nicht aus sich selbst heraus, ist zusammengesetzt, ist leer von einem abgetrennten Selbst.

 Höre, Shariputra, alle Phänomene bedingen sich gegenseitig - weder entstehen sie, noch vergehen sie. Sie sind weder rein noch unrein, weder werden sie grösser, noch werden sie kleiner. Daher sind Form, Empfindung, Wahrnehmung, geistige Formkraft und Bewusstsein künstliche Begriffe.

Nochmals deutet Avalokita darauf hin, dass alle Phänomene zusammengesetzt und daher bedingt sind. Verschiedene Bedingungen müssen zusammenkommen, damit wir etwas als Auge benennen können. Aber letztlich sind dies alles nur Begriffe, Hilfsmittel, damit wir uns verständigen können. Das, was wir Entstehen oder Vergehen nennen, ist eigentlich nur ein Zusammenkommen oder ein Auseinanderfallen von verschiedenen Bedingungen und Bestandteilen, die nicht aus sich selbst heraus bestehen können, sondern wiederum bedingt sind. Somit gibt es letztlich kein Entstehen und Vergehen, denn es sind nur Vorstellungen. Auch Zuschreibungen wie rein und unrein, groß oder klein sind nur Begriffe und haben keine Substanz.

 Das Auge besteht ausschliesslich aus Nicht-Auge-Elementen. Dasselbe gilt für Ohr, Nase, Zunge, Körper und Geist. Deshalb gibt es keine Form, keinen Klang, keinen Geruch, keinen Geschmack, kein Berührbares und kein Objekt des Geistes.

Gleich wie das Auge aus verschiedensten Elementen besteht, die nicht Auge sind, so verhält es sich mit allen Dingen, auch mit Gefühlen und Gedanken. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass sie letztlich nicht so sind, wie sie uns erscheinen. Alle Phänomene erscheinen uns als fest, relativ dauerhaft und von einander getrennt. Wenn wir aber tief in die Dinge hineinschauen, löst sich diese künstliche Trennung auf, wir sehen dann die Dinge so wie sie wirklich sind, bevor sie von unserem dualistischen Denken separiert, definiert und beurteilt werden.

Da alle Dinge in ihrer Soheit unbeschreibbar sind, gibt es kein Entstehen und kein Erlöschen; kein Leiden, keinen Ursprung des Leidens, kein Ende des Leidens und keinen Weg; kein Verstehen und kein Erlangen.

Das Sehen, wie die Dinge letztendlich sind, wird hier als Soheit bezeichnet. Wir können die Dinge nur beschreiben, weil wir sie voneinander trennen, sie in Gegensätze aufteilen, ihnen Namen geben, ihnen Eigenschaften zumessen, sie vergleichen, sie beurteilen und bewerten. In dem ursprünglichem Sehen, in diesem Nur-Sehen, in diesem ursprünglichem Gewahrsein, in diesem Sein bevor unser Geist klassifiziert und damit trennt, gibt es kein Werden, kein Entstehen, keinen Weg, kein Leiden und es gibt nichts zu erlangen, weil alles in wunderbarer Weise IST. Entstehen, Weg, Leiden usw. sind nur Begriffe ohne Substanz.

 Weil es kein Erlangen gibt, finden die Bodhisattvas, durch ihr vollkommenes Verstehen von Intersein, keine Hindernisse in ihrem Geist. Keine Hindernisse erlebend, überwinden sie die Angst, befreien sich für immer von Täuschung und verwirklichen vollkommenes Nirvana. Alle Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erlangen dank dieses vollkommenen Verstehens volle, wahre und universale Erleuchtung.

Weil die Bodhisattvas mit allen Bedingungen in Einklang sind und sie die leere und erkennende Natur allen Seins in tiefer Weise verstehen , nichts ergreifen oder abwehren, sind sie frei von Täuschung. Wie könnte hier Angst entstehen? Dies ist Befreiung! Wie wunderbar!

 Vollkommenes Verstehen ist das höchste Mantra, das Mantra, das die Dualität überschreitet, das alles Leiden aufhebt - die unzerstörbare Wahrheit. Das Mantra der Prajnaparamita sollte daher verkündet werden.

Ein Mantra ist eine heilige Formel, eine kondensierte Kurzform, die die Aussage des ganzen Sutra auf einen Punkt bringt. Oft bestehen Mantras aus wenigen Silben und lassen sich nur schwer übersetzen. Beim Rezitieren eines Mantra wird die in ihm innewohnende Kraft aktiviert und die Erfahrung der Nichtdualität ermöglicht. Die Essenz des Herzsutra ist dieses Vollkommene Verstehen, das die Dualität überschreitet, das uns zur Befreiung von unserer gewohnheitsmäßigen Wahrnehmung führt, das das ständige Wählen, Identifizieren, Ergreifen oder Abwehren und damit das Leiden auflöst und in uns Weisheit und Mitgefühl entstehen lässt.

Und dies ist das Mantra:

Gate gate paragate parasamgate bodhi svaha.

Gegangen, gegangen, hinüber gegangen, gemeinsam vollkommen hinüber gegangen zum Ufer der Nicht-Zweiheit, der Erleuchtung. Sei es zum Wohle aller!

Ein Wesen, das dieses vollkommene Verstehen verwirklicht hat, ist vom Ufer der Ich-Verhaftung, vom Ufer des Ergreifens und Abwehrens hinübergegangen zum Ufer der Ungetrenntheit von allen Wesen, der Verantwortung für alles, was ist, vom Ufer der Täuschung und Unwissenheit zum Ufer von Weisheit und Mitgefühl für alle Wesen.

Wie wunderbar!

 

Kommentar von Klaus Kraler

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